evcc per Docker für PV-Überschussladen einrichten¶
Veröffentlicht am 12. August 2026 · Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
evcc verbindet Stromzähler, Wechselrichter, Wallbox und Elektroauto, um Ladevorgänge an Solarüberschuss oder günstige Stromzeiten anzupassen. Die Geräte bleiben für die elektrische Sicherheit verantwortlich; evcc steuert nur innerhalb ihrer freigegebenen Schnittstellen. Für Installation und Grundkonfiguration solltest du etwa 35 bis 60 Minuten einplanen.
Voraussetzungen
- Ein Server mit Docker und Docker Compose im selben Netzwerk wie die Energiegeräte
- Eine von evcc unterstützte Wallbox oder schaltbare Ladeeinrichtung
- Für PV-Überschussladen passende Messwerte von Netzanschluss und Solaranlage
- Feste lokale IP-Adressen oder zuverlässige Hostnamen für die Geräte
- Zugangsdaten beziehungsweise API-Schlüssel der Geräte, falls erforderlich
1. Geräteunterstützung prüfen¶
Prüfe vor der Installation in der offiziellen evcc-Dokumentation, ob Wallbox, Stromzähler, Wechselrichter und Fahrzeug unterstützt werden. Notiere für jedes Gerät:
- Hersteller und Modell
- lokale IP-Adresse
- benötigten Port oder Protokolltyp
- Benutzername und Passwort, falls verlangt
- besondere Freischaltungen wie Modbus TCP
Elektrische Sicherheit
evcc ersetzt weder Leitungsschutz noch Fehlerstromschutz, Wallbox-Freigabe oder fachgerechte Elektroinstallation. Änderungen an Zähler, Wechselrichter, Wallbox oder Verteilung gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
2. Projektordner vorbereiten¶
Führe den Befehl auf dem Docker-Server aus. Der Unterordner data speichert die interne evcc-Datenbank dauerhaft.
Beschränke den Zugriff auf den Datenordner, da die Datenbank Geräteeinstellungen und Zugangsinformationen enthalten kann.
3. Compose-Datei anlegen¶
Lege im Ordner ~/docker/evcc eine Datei namens compose.yaml an. Die Grundkonfiguration veröffentlicht nur Weboberfläche und OCPP-Port. Die Datenbank liegt dauerhaft im Ordner data.
services:
evcc:
image: evcc/evcc:latest
container_name: evcc
command:
- evcc
restart: unless-stopped
ports:
- "7070:7070/tcp"
- "8887:8887/tcp"
volumes:
- ./data:/root/.evcc
Port 7070 ist für Weboberfläche und API erforderlich. Port 8887 wird für OCPP verwendet; wenn keine OCPP-Wallbox eingebunden wird, kannst du diese Port-Zeile entfernen.
Zusätzliche Geräteports
SMA Sunny Home Manager, KEBA, EEBus, mDNS oder Modbus UDP benötigen je nach Gerät weitere TCP- oder UDP-Ports und teilweise Host-Netzwerk. Ergänze nur die Ports aus der aktuellen offiziellen Docker-Dokumentation, die deine Hardware wirklich braucht.
4. Container starten¶
Starte evcc im Projektordner.
Prüfe den Zustand.
Bei Fehlern zeigen die letzten Protokollzeilen die Ursache.
5. Administratorkennwort setzen¶
Öffne http://<server-ip>:7070. Ersetze <server-ip> durch die feste IP-Adresse des Docker-Servers, beispielsweise 192.168.178.20.
Beim ersten Aufruf fordert evcc zur Vergabe eines Administratorkennworts auf. Verwende ein langes, einzigartiges Passwort und speichere es in einem Passwortmanager.
Nur im Heimnetz freigeben
Stelle Port 7070 nicht direkt ins Internet. Die Oberfläche enthält Energie-, Geräte- und Ladedaten und kann das Ladeverhalten beeinflussen. Für Fernzugriff eignet sich ein VPN.
6. Netzanschlusszähler hinzufügen¶
Öffne Konfiguration → Geräte und Dienste und füge zuerst den Zähler am Netzanschlusspunkt hinzu. Wähle Hersteller und Modell aus der Vorlage und trage die lokale Geräteadresse ein.
Ersetze Platzhalter in der Oberfläche nur durch deine tatsächlichen Werte:
<zaehler-ip>durch die IP des Zählers oder Wechselrichters<benutzer>durch den Gerätebenutzer<passwort>durch das Gerätepasswort
Speichere die Konfiguration und verwende die angebotene Testfunktion. Der Netzbezug sollte positiv und eine Einspeisung entsprechend der evcc-Anzeige negativ beziehungsweise als Einspeisung erkennbar sein.
7. PV-Anlage und Batteriespeicher ergänzen¶
Füge unter Konfiguration → Geräte und Dienste den PV-Zähler hinzu. Falls vorhanden, ergänze anschließend den Batteriespeicher mit Ladezustand und Leistung.
Vergleiche die angezeigten Werte bei Sonne und bei eingeschalteten Verbrauchern mit der Hersteller-App oder dem Zähler. Vertauschte Vorzeichen führen dazu, dass evcc Bezug fälschlich als Überschuss bewertet.
8. Wallbox einrichten¶
Öffne Konfiguration → Laden und Heizen und füge einen Ladepunkt hinzu. Wähle die passende Wallbox-Vorlage, trage die lokale Adresse und gegebenenfalls Zugangsdaten ein.
Teste zunächst, ob evcc den Zustand der Wallbox liest. Starte erst danach einen kurzen Ladevorgang im Modus Schnell und kontrolliere, ob Start, Stopp und Ladeleistung korrekt angezeigt werden.
Nicht unbeaufsichtigt beginnen
Beobachte den ersten Test am Fahrzeug und an der Wallbox. Stoppe bei Fehlermeldungen, ungewöhnlicher Erwärmung oder unerwartetem Schalten und prüfe die Herstellerdokumentation beziehungsweise die Elektroinstallation.
9. Fahrzeug und Ladeplan hinzufügen¶
Füge das Elektroauto über Konfiguration → Fahrzeuge hinzu. Einige Herstellerzugänge benötigen Cloud-Anmeldedaten oder ein evcc-Sponsoring-Token; die Oberfläche zeigt dies bei der jeweiligen Vorlage an.
Lege für den ersten Test keinen komplexen Zeitplan an. Prüfe zunächst, ob Ladezustand und Fahrzeugstatus plausibel erscheinen. Danach kannst du ein Abfahrtsziel oder einen Mindestladestand konfigurieren.
10. Solarmodus testen¶
Wähle am Ladepunkt den Modus Solar. Der Test sollte bei deutlichem PV-Überschuss stattfinden. Beobachte mindestens:
- Netzbezug und Einspeisung
- PV-Leistung
- Ladeleistung der Wallbox
- Fahrzeugstatus
- Reaktion auf eine größere Last im Haus
evcc soll die Ladung entsprechend der verfügbaren Leistung anpassen oder nach den eingestellten Verzögerungen pausieren. Passe Schwellen und Phasenumschaltung nur an, wenn du ihre Wirkung und die Mindestladeleistung des Fahrzeugs kennst.
11. Backup herunterladen¶
Öffne in evcc Konfiguration → Backup & Restore und lade ein Backup der Datenbank herunter. Die Datei evcc.db enthält konfigurierte Geräte, Dienste, Ladepläne und Ladevorgänge.
Speichere die Datei verschlüsselt außerhalb des Docker-Servers. Erstelle ein neues Backup vor jedem Update und nach größeren Änderungen.
Alternativ kannst du den Container für ein konsistentes Ordnerbackup stoppen.
Starte evcc danach wieder.
12. Wiederherstellung und Rückweg¶
Eine heruntergeladene evcc.db stellst du unter Konfiguration → Backup & Restore wieder her. Dabei wird die aktuelle Datenbank vollständig überschrieben; evcc legt vorher zusätzlich eine lokale Sicherung an.
Für einen sicheren Rückweg stellst du Wallbox und Fahrzeug zunächst wieder auf die herstellereigene Standardsteuerung. Stoppe danach evcc, ohne den Datenordner zu löschen.
Der Ordner data bleibt erhalten und kann später wieder eingebunden werden. Lösche ihn erst nach einem geprüften Backup.
13. Aktualisieren¶
Lade nach einem Backup das aktuelle Image und erstelle den Container neu.
Prüfe danach, ob Ladehistorie und Geräte noch angezeigt werden. Fehlt die Historie, ist meist der Ordner /root/.evcc nicht korrekt eingebunden.
14. Typische Fehler¶
- Weboberfläche nicht erreichbar: Prüfe Port
7070, Host-Firewall unddocker compose logs evcc. - Gerät wird nicht gefunden: IP-Adresse, VLAN-Regeln, Modbus-Freigabe und benötigte Zusatzports prüfen.
- PV-Überschuss ist unplausibel: Zählerrollen oder Vorzeichen sind vertauscht.
- Ladehistorie nach Update leer: Das Volume
./data:/root/.evccfehlt oder ein anderer Projektordner wurde verwendet. - Wallbox lässt sich lesen, aber nicht steuern: Herstellerzugang besitzt nur Leserechte oder die lokale Steuerung ist nicht freigeschaltet.
- Solar-Laden startet nicht: Überschuss liegt unter der Mindestladeleistung oder Ein- und Ausschaltverzögerungen sind noch nicht erreicht.
15. Quellen und Videos¶
- evcc: offizielle Docker-Installation
- evcc: offizielle Konfigurationsanleitung
- evcc: Backup und Wiederherstellung
- Deutsches Video: evcc installieren und einrichten
- Deutsches Video: evcc auf einer Synology per Docker
Fertig¶
evcc läuft nun dauerhaft in Docker, liest die Energieflüsse und erkennt den eingerichteten Ladepunkt. Eine erfolgreiche Funktionsprüfung ist ein beobachteter kurzer Ladevorgang, bei dem Netz-, PV- und Ladeleistung plausibel angezeigt werden und der Solarmodus auf veränderten Überschuss reagiert.