Festplatten mit Scrutiny und Docker überwachen¶
Veröffentlicht am 7. August 2026 · Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
Scrutiny liest die SMART-Daten angeschlossener Festplatten und SSDs aus und zeigt Temperatur, Betriebsstunden sowie auffällige Werte in einer Weboberfläche. So erkennst du mögliche Laufwerksprobleme früher, bevor ein Ausfall überrascht. Für Installation und ersten Test solltest du etwa 20 bis 30 Minuten einplanen.
Die Anleitung wurde am 3. August 2026 mit der offiziellen Scrutiny-Dokumentation und der aktuellen Veröffentlichung v0.9.2 abgeglichen. Das deutschsprachige Video Festplattengesundheit mit Scrutiny überwachen bietet einen zusätzlichen Überblick.
Voraussetzungen
- Ein Linux-Server mit installiertem Docker und Docker Compose
- Mindestens ein direkt am Docker-Server angeschlossenes Laufwerk mit SMART-Unterstützung
- Zugriff auf das Terminal mit
sudo-Rechten - Eine feste IP-Adresse oder ein lokaler DNS-Name
1. Laufwerksnamen ermitteln¶
Zeige im Terminal des Docker-Servers nur die physischen Laufwerke an:
Notiere die Gerätenamen der zu überwachenden Laufwerke, zum Beispiel /dev/sda und /dev/sdb. Partitionen wie /dev/sda1 werden nicht eingetragen.
Danger
Kontrolliere die Namen sorgfältig. Scrutiny liest SMART-Daten und löscht keine Nutzdaten, erhält dafür aber direkten Zugriff auf die eingetragenen Geräte.
2. Arbeitsordner anlegen¶
Erstelle Ordner für Scrutiny-Konfiguration und Messwerte:
Wechsle anschließend in den Arbeitsordner:
3. Compose-Datei erstellen¶
Öffne eine neue Compose-Datei:
Füge die folgende Konfiguration ein. Ersetze die Beispiele /dev/sda und /dev/sdb durch deine tatsächlichen Laufwerke. Entferne nicht benötigte Zeilen oder ergänze weitere Geräte im selben Format.
services:
scrutiny:
image: ghcr.io/analogj/scrutiny:v0.9.2-omnibus
container_name: scrutiny
restart: unless-stopped
cap_add:
- SYS_RAWIO
ports:
- "8084:8080"
volumes:
- ./config:/opt/scrutiny/config
- ./influxdb:/opt/scrutiny/influxdb
- /run/udev:/run/udev:ro
devices:
- /dev/sda:/dev/sda
- /dev/sdb:/dev/sdb
Speichere mit Strg+O, bestätige mit der Eingabetaste und beende Nano mit Strg+X.
SYS_RAWIO erlaubt dem SMART-Werkzeug die nötigen Abfragen. Die eingetragenen Geräte werden einzeln an den Container weitergereicht; der Container erhält nicht pauschal Zugriff auf alle Geräte des Hosts.
4. NVMe-Laufwerk bei Bedarf ergänzen¶
Wenn du ein NVMe-Laufwerk wie /dev/nvme0 überwachst, ergänze es unter devices:
Ergänze bei NVMe außerdem SYS_ADMIN unter cap_add, wie es die offizielle Scrutiny-Dokumentation verlangt:
Diese beiden Ausschnitte werden in den vorhandenen Dienstblock eingefügt und ersetzen nicht die komplette Compose-Datei. Nutzt du kein NVMe-Laufwerk, bleibt es bei SYS_RAWIO.
Warning
Zusätzliche Linux-Fähigkeiten erweitern die Rechte des Containers. Füge SYS_ADMIN nur hinzu, wenn es für ein NVMe-Laufwerk wirklich erforderlich ist.
5. Scrutiny starten¶
Starte den Container im Hintergrund:
Prüfe anschließend den Zustand:
In der Spalte STATUS sollte Up stehen. Der Omnibus-Container enthält Weboberfläche, Datenbank und SMART-Sammler.
6. SMART-Daten manuell einlesen¶
Führe den Sammler einmal manuell im Container aus, damit das Dashboard sofort Daten erhält:
Der Befehl wird im Ordner ~/scrutiny ausgeführt. Er liest nur die in compose.yaml freigegebenen Geräte ein und sendet die Werte an die lokale Scrutiny-Webanwendung.
Öffne danach auf einem Gerät im selben Netzwerk diese Adresse:
Ersetze <server-ip> durch die IP-Adresse des Docker-Servers, zum Beispiel 192.168.178.50.
7. Laufwerkswerte prüfen¶
Kontrolliere, ob Modell, Kapazität und Temperatur zu deinen Laufwerken passen. Öffne jedes Laufwerk und achte besonders auf Warnungen, neu zugewiesene Sektoren und nicht korrigierbare Fehler.
Warning
SMART-Werte sind ein Frühwarnsystem, aber keine Garantie. Ein Laufwerk kann auch ohne vorherige Warnung ausfallen. Scrutiny ersetzt deshalb niemals ein geprüftes Backup.
Die offizielle Omnibus-Konfiguration sammelt standardmäßig einmal täglich neue Werte. Der manuelle Befehl aus Schritt 6 kann jederzeit erneut ausgeführt werden.
8. Zugriff absichern¶
Scrutiny besitzt in dieser einfachen Installation keinen eigenen Anmeldeschutz. Leite Port 8084 nicht im Router ins Internet weiter. Nutze die Oberfläche nur im Heimnetz oder über ein VPN.
Prüfe am Router, dass keine automatische oder manuelle Freigabe für Port 8084 besteht.
9. Backup und Rückweg vorbereiten¶
Stoppe Scrutiny, damit sich die Datenbank während der Sicherung nicht ändert:
Sichere den vollständigen Projektordner:
Starte Scrutiny danach wieder:
Für den Rückweg stoppst du den Container, stellst den Ordner ~/scrutiny aus dem Archiv wieder her und prüfst vor dem Start erneut alle Gerätenamen in compose.yaml.
Danger
Laufwerksnamen können sich nach Hardwareänderungen verschieben. Starte eine wiederhergestellte Compose-Datei erst, nachdem du die Namen mit lsblk abgeglichen hast.
10. Scrutiny aktualisieren¶
Erstelle zuerst ein Backup und prüfe die Veröffentlichungshinweise. Ändere danach die Versionsnummer hinter ghcr.io/analogj/scrutiny: in compose.yaml auf die gewünschte geprüfte Omnibus-Version.
Lade das neue Abbild:
Ersetze anschließend den Container mit den vorhandenen Daten:
Prüfe nach dem Update alle Laufwerke und führe den Sammler einmal manuell aus. Bei Problemen trägst du die vorherige Versionsnummer wieder ein und stellst das Backup wieder her.
11. Typische Fehler beheben¶
Wenn keine Laufwerke erscheinen, lies die letzten Protokollzeilen:
Prüfe danach, ob die eingetragenen Gerätenamen noch vorhanden sind:
Bei Operation not permitted fehlt meist SYS_RAWIO, bei NVMe gegebenenfalls zusätzlich SYS_ADMIN. USB-Gehäuse und RAID-Controller können SMART-Abfragen anders weiterreichen oder vollständig blockieren; nutze dann die gerätespezifische Scrutiny-Dokumentation, statt unbekannte Berechtigungen hinzuzufügen.
Ist die Weboberfläche nicht erreichbar, prüfe Port 8084:
Fertig¶
Scrutiny überwacht jetzt die freigegebenen Laufwerke und speichert ihre SMART-Verläufe dauerhaft. Die Einrichtung ist erfolgreich, wenn jedes erwartete Laufwerk mit plausibler Temperatur und einem aktuellen Messzeitpunkt im Dashboard erscheint.