Jellyfin als eigenen Medienserver mit Docker einrichten¶
Veröffentlicht am 1. August 2026 · Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Mit Jellyfin verwaltest und streamst du deine eigenen Filme, Serien, Musik und Fotos im Heimnetz. Der Server liest die Mediendateien aus einem eingebundenen Ordner und stellt sie im Browser oder in Jellyfin-Apps bereit. Für Installation und Ersteinrichtung solltest du etwa 20 bis 30 Minuten einplanen.
Die Befehle wurden am 1. August 2026 mit der offiziellen Jellyfin-Docker-Anleitung abgeglichen. Eine zusätzliche deutschsprachige Ansicht bietet das Video Jellyfin Docker Installation und Einrichtung.
Voraussetzungen
- Ein Linux-Server mit installiertem Docker und Docker Compose
- Zugriff auf das Terminal des Servers
- Ein Ordner mit eigenen, legal verfügbaren Mediendateien
- Eine feste IP-Adresse oder ein lokaler DNS-Name für den Server
1. Benutzer-ID und Medienordner prüfen¶
Führe die beiden folgenden Befehle im Terminal des Docker-Servers aus. Die Ausgaben benötigst du später für die Zugriffsrechte des Containers.
Notiere die Benutzer-ID und die Gruppen-ID. Prüfe anschließend deinen Medienordner. Ersetze <medien-ordner> durch den vollständigen Pfad zu deinen Filmen oder anderen Medien.
Ein möglicher Pfad ist /srv/media. Der angemeldete Benutzer benötigt mindestens Leserechte auf diesen Ordner und seine Dateien.
2. Arbeitsordner anlegen¶
Erstelle im persönlichen Verzeichnis die Ordner für Konfiguration und Zwischenspeicher:
Wechsle danach in den neuen Arbeitsordner:
3. Compose-Datei erstellen¶
Öffne eine neue Compose-Datei:
Füge die folgende Konfiguration ein. Ersetze <benutzer-id> und <gruppen-id> durch die zuvor notierten Zahlen. Ersetze <medien-ordner> durch den vollständigen Pfad auf dem Server.
services:
jellyfin:
image: jellyfin/jellyfin:latest
container_name: jellyfin
user: "<benutzer-id>:<gruppen-id>"
restart: unless-stopped
ports:
- "8096:8096/tcp"
- "7359:7359/udp"
volumes:
- ./config:/config
- ./cache:/cache
- <medien-ordner>:/media:ro
Speichere mit Strg+O, bestätige mit der Eingabetaste und beende Nano mit Strg+X.
Der Zusatz :ro bindet deine Medien nur lesbar ein. Jellyfin kann die Originaldateien dadurch nicht versehentlich verändern oder löschen. Port 8096 öffnet die Weboberfläche; UDP-Port 7359 dient der Erkennung im lokalen Netzwerk.
Warning
Verwende unter Linux für <medien-ordner> einen absoluten Pfad. Ein falscher oder nicht lesbarer Pfad führt dazu, dass Jellyfin im Einrichtungsassistenten keine Dateien findet.
4. Container starten¶
Starte Jellyfin im Hintergrund. Der Befehl wird im Ordner ~/jellyfin ausgeführt.
Prüfe anschließend den Zustand:
In der Spalte STATUS sollte Up stehen. Bei einem Fehler zeigen die letzten Protokollzeilen meist die Ursache:
5. Einrichtungsassistent abschließen¶
Öffne auf einem Gerät im selben Netzwerk folgende Adresse:
Ersetze <server-ip> durch die IP-Adresse deines Docker-Servers, zum Beispiel 192.168.178.50.
Wähle Deutsch als Sprache und erstelle ein Administratorkonto mit einem starken, einzigartigen Passwort. Lege anschließend eine Medienbibliothek an und wähle im Container den Ordner /media aus. Stelle Sprache und Region der Metadaten passend ein.
Deaktiviere im Netzwerkschritt die automatische Portfreigabe. Sie verwendet UPnP und ist für einen reinen Zugriff im Heimnetz nicht erforderlich.
Danger
Leite Port 8096 nicht ungeschützt im Router ins Internet weiter. Nutze für den Zugriff von unterwegs ein VPN oder einen korrekt abgesicherten Reverse Proxy mit HTTPS.
6. Wiedergabe testen¶
Warte nach dem Assistenten, bis Jellyfin den Medienordner eingelesen hat. Öffne einen gefundenen Titel und starte die Wiedergabe für mindestens eine Minute.
Falls keine Dateien erscheinen, prüfe zuerst, ob der Container den Ordner sehen kann:
Der Befehl wird im Ordner ~/jellyfin ausgeführt. Werden Dateien angezeigt, kontrolliere in Jellyfin den Bibliothekspfad und starte einen erneuten Scan.
7. Backup und Rückweg vorbereiten¶
Stoppe Jellyfin vor der Sicherung, damit sich die Konfigurationsdaten während des Kopierens nicht ändern:
Sichere Compose-Datei und Konfiguration. Der Cache wird bewusst ausgelassen, weil Jellyfin ihn neu erstellen kann.
Starte den Dienst danach wieder:
Die Mediendateien gehören in eine eigene, regelmäßige Datensicherung. Für den Rückweg stoppst du Jellyfin, stellst compose.yaml und den Ordner config aus dem Archiv wieder her und startest den Container erneut.
8. Jellyfin aktualisieren¶
Erstelle zuerst ein Backup. Lade danach das aktuelle stabile Container-Abbild:
Ersetze anschließend den Container mit unveränderter Konfiguration:
Prüfe nach dem Update Anmeldung, Bibliothek und Wiedergabe. Bei größeren Versionssprüngen solltest du vorher zusätzlich die Veröffentlichungshinweise von Jellyfin lesen.
9. Typische Fehler beheben¶
Wenn die Weboberfläche nicht erreichbar ist, prüfe, ob Port 8096 bereits belegt ist:
Bei einem Konflikt änderst du in compose.yaml nur die linke Zahl, zum Beispiel auf "8097:8096/tcp". Die neue Adresse lautet dann http://<server-ip>:8097.
Bei ruckelnder Wiedergabe kann eine Umwandlung des Videos erforderlich sein. Die Hardwarebeschleunigung hängt von Prozessor und Grafikchip ab und sollte erst anhand der passenden offiziellen Jellyfin-Anleitung eingerichtet werden.
Fertig¶
Jellyfin läuft jetzt als eigener Medienserver und liest deine Originaldateien nur lesbar ein. Die Einrichtung ist erfolgreich, wenn du dich anmelden, einen Titel öffnen und ihn im Heimnetz ohne Abbruch wiedergeben kannst.